Stadt, Land, Bank – aus der Welt der Berliner Volksbank

Berliner Volksbank Blog - Stadt, Land, Bank – aus der Welt der Berliner Volksbank

Leider keine Kaugummis und Wechselgeld

Kürzlich erreichte uns folgende E-Mail. Wir geben den Inhalt hier vollständig wieder, nur ohne den Absender zu nennen:

Am Beispiel der Berliner Volksbank kann man prima sehen wohin ungezügelte Unverschämtheit gepaart mit menschlicher Raffgier führt, wenn der Gesetzgeber diesem kriminell anmutendem Treiben keinen Riegel vorschiebt. Nicht nur, dass Sie seit einigen Monaten eine Gebühr von 9 Euro erheben, wenn jemand eine Bar Einzahlung auf das Konto eines Ihrer Kunden machen möchte… Nein, diesen für eine Bank an Banalität kaum noch zu überbietenden “Service” bieten Sie nur nur in einigen handverlesenen Filialen an – und dort verlangen Sie allen ernstes, das man den Betrag auf den Cent genau in Kleingeld abgezählt abgibt. Das grenzt an Irrsinn zumal jeder Kiosk Besitzer in der Lage ist Wechselgeld heraus zu geben wenn man dort ein Kaugummi kauft. Offensichtlich ist die Berliner Volksbank soooo sehr damit beschäftigt unser Gemeinwohl durch Zockerei und zweifelhafte “Deals” zu schädigen, das für 9 Euro Gebühr (entsprechen 3 Stunden Arbeitsleistung mancher Menschen in diesem Land!) und zwei Minuten Arbeit am Schalter nicht mal die Herausgabe von Wechselgeld “drin” ist. Ich wünschte die Verantwortlichen bei der Berliner Volksbank würden per Gesetz ob so viel Dreistigkeit öffentlich auf dem Alexanderplatz ausgepeitscht! Nicht mal die Deutsche Bank, die nicht eben als Karitative Vereinigung bekannt ist, erlaubt sich 9 Euro!

Zwar erhalten wir selten Nachrichten mit solch heftiger Ausdrucksweise, aber das Thema Bargeldverkehr in Bankfilialen sorgt immer mal wieder für Missverständnisse und Missstimmungen. Warum wir die besagte Gebühr für eine Bareinzahlung zu Gunsten Dritter erheben, erklären wir weiter unten. Zunächst ein Wort zum Verständnis:

Die Automaten kommen

Unsere Filialen verfügen heutzutage nicht mehr über einen mit Panzerglas abgetrennten Kassenbereich, wie ihn jüngere Leute gar nicht mehr kennen. Tatsächlich hantieren wir kaum noch Wechselgeld wie der besagte Kiosk.
Wir verkaufen keine Kaugummis und können kein Kleingeld herausgeben. Denn der Bargeldverkehr von Banken wird so weit wie möglich automatisiert; seit Jahren schon über die Geldausgabe per Automaten und zunehmend in unseren Filialen auch via Bargeldannahme mittels Geldeinzahlgeräten.

Damit entsprechen wir zum Beispiel einem dringenden Wunsch insbesondere unserer Geschäftskunden. Dank der neuen Automaten kann man rund um die Uhr Münzen und Scheine einzahlen. Auch für Privatkunden sind die neuen Geräte eine große Erleichterung. Selbst Kleingeld kann man, ohne es zählen zu müssen, einfach in den Automaten schütten und erhält den Betrag umgehend auf dem eigenen Konto gutgeschrieben.

Diese Automatisierung schafft ganz neue Möglichkeiten, setzt aber auch Investitionen in Technik voraus. Außerdem muss der laufende Betrieb durch einen Dienstleister gewährleistet sein. Automaten müssen befüllt oder gewartet und das Geld überprüft werden. Auch dadurch entstehen einer Bank laufende Kosten. Zum Teil erheben wir dafür Gebühren wie zum Beispiel bei der Bargeldeinzahlung.

“Bargeld nervt Banken nur noch”?

Auf unserer Facebook-Pinnwand hatten wir kürzlich eine Diskussion zu diesem Thema, bei der jemand schrieb: “Bargeld nervt Banken nur noch.” Das würden wir etwas anders formulieren: Mit dem Geldverkehr ist einfach ein erheblicher Aufwand verbunden. Nehmen wir das Beispiel einer Münzrolle, die wir ausgeben. Münzen müssen gerollt, geprüft und konfektioniert werden. Das kostet. Zum Teil kaufen wir Münzrollen selbst regulär ein.

Auch gesetzliche Regelungen verteuern Aufwand und Kosten der Bargeldbearbeitung. Als Beispiele seien die Einführung der Normcontainer Anfang 2011 oder das sogenannte CashEDI gennant.

Sonderfall “Bareinzahlung zu Gunsten Dritter”

Dieser eingangs erwähnte Vorgang ist zwar selten, löst aber einen aufwendigen Prozess aus. Das eingezahlte Geld wird zunächst auf einem Zwischenkonto gutgeschrieben, auf dem alle Bareinzahlungen zu Gunsten Dritter gesammelt werden. Die Belege werden dann gesammelt an eine Zentralstelle weitergeleitet. Dort muss die Aufstellung aller Vorgänge manuell kontrolliert werden, bevor wiederum von einem Mitarbeiter persönlich die jeweiligen Ausbuchungen und Überweisungen veranlasst werden. Nur so kann gewährleistet werden, dass auch der richtige Verwendungszweck auf den Überweisungen ausgewiesen wird.

Wir können diese Bearbeitung sogar nur in wenigen Filialen anbieten. Der gesamte Vorgang der Bareinzahlung zu Gunsten Dritter sperrt sich der Automatisierung und lässt sich also nicht auf Knopfdruck vornehmen. Daher die Gebühr.

Kleine Einzahlung, großer Aufwand

Tatsächlich bieten manche anderen Bankinstitute diese Leistung auch nicht wie wir für 9 Euro an. Aus dem einfachen Grund, dass sie diese Leistung gar nicht anbieten. Die uns entstehenden Kosten für eine Bareinzahlung zu Gunsten Dritter übersteigen die von uns erhobenen 9 Euro Gebühr deutlich. Die in der Nachricht an uns genannte “Profitgier” würde es uns verbieten, eine solche Leistung überhaupt anzubieten.

Wir möchten Sie um Verständnis in diesem Einzelfall und ganz allgemein für den Hintergrund des sich wandelnden Bargeldverkehrs bei Banken bitten. Wäre eine Bankfiliale heutzutage noch eine Münzkasse wie früher, müssten wir sämtliche Leistungen neu, sprich: zu Ungunsten unserer Kunden kalkulieren. Das trifft für uns wie für alle anderen Filialbanken zu.

Die Zukunft des Bargelds

Ganz allgemein zählt der Umgang mit Bargeld heute längst nicht mehr zum Kerngeschäft von Banken. Das korreliert mit dem allgemeinen Rückzug des Bargelds aus unserem Alltag. Neue Technologien wie Mobile-Payment und andere ermöglichen in immer mehr Bereichen bargeldlose Transaktionen.

Das physisch vorhandene Bargeld wird zunehmend digital. Die Abläufe werden dadurch zum Vorteil von Kunden und Unternehmen rationalisiert. Im Gegenzug sind alle Vorgänge, die sich der Automatisierung sträuben und daher manuell ausgeführt werden müssen, kostenintensiv. Die guten alten Scheine und Münzen werden in Zukunft daher wahrscheinlich noch weiter an Bedeutung verlieren.

Bank und Filialnetz im Wandel

Keine Pressemitteilung, sondern ein Wort an unsere Kunden: Filialschließungen wie Anfang Juni in Lindow sind in Einzelfällen nicht vermeidbar, sondern Teil eines permanenten Prozesses, mit dem wir unser gesamtes Filialnetz im Sinne der Nachfrage unserer Kunden ausrichten.

Auch bei der Berliner Volksbank sind von Zeit zu Zeit Standortschließungen unumgänglich.
Der Grund dafür liegt in strukturellen Anpassungen. Was nach einer Ausrede im besten Pressemitteilungsdeutsch klingt, möchten wir hier erläutern. Denn sowohl der Bankalltag im allgemeinen, als auch das Umfeld eines Standortes im besonderen unterliegen einem stetigen Wandel, dem wir uns nicht entziehen können.

Im Zuge von Digitalisierung und Automatisierung lassen sich heute zahlreiche Bankprozesse ohne unsere Mitarbeiter vornehmen. Das Spektrum reicht vom Online-Banking bis zur ständig modernisierten Ausstattung im SB-Bereich wie zum Beispiel mit Automaten für die Bargeld-Einzahlung; seit kurzem sogar für Münzen. Letzteres entspricht übrigens auch einem dringenden Wunsch unserer Kunden, die rund um die Uhr auf diesen Service zugreifen möchten, und wir investieren kontinuierlich in den Ausbau unserer Ausstattung.

Während vor einigen Jahrzehnten noch jeder einzelne Bankvorgang persönlich zwischen Kunde und Mitarbeiter abgewickelt werden musste, lassen sich Routine-Tätigkeiten längst automatisiert durchführen. Im Ergebnis heißt das: Kunden und Mitarbeiter werden bei alltäglichen Vorgängen entlastet. Intensiver und aufwändiger dagegen wird die Beratungsleistung. Gesetzliche Vorgaben erfordern heute eine viel ausführlichere und tiefgreifendere Auseinandersetzung mit dem persönlichen Hintergrund eines Kunden, als dies früher der Fall war.

‘Weniger, aber mehr Beratung’

Kunden und Mitarbeiter haben also heute weniger quantitativ, sondern viel mehr qualitativ miteinander zu tun. In anderen Worten: Man sieht sich seltener, aber wenn man sich trifft, dann intensiver. Hier haben sich das Tätigkeitsfeld unserer Mitarbeiter wie auch die Nachfrage nach unseren Leistungen stark verändert. Auch diese Aspekte fließen in die Planung unserer Standorte und in die Struktur unseres Filialnetzes ein.

Zusätzlich zu diesen allgemeinen Entwicklungen liegt jede einzelne Filiale auch in ihrem eigenen Mikrokosmos des direkten Umfelds, das sich teilweise erheblich ändert. Zum Beispiel wandelt sich die Bevölkerungsstruktur von städtischen Bezirken oder ländlichen Gegenden, was sich wiederum auf die Auslastung unseres Standortes auswirkt. In manchen Arealen verschiebt sich der Schwerpunkt vom Wohnen zum Arbeiten oder umgekehrt.

Diese Veränderungen wirken sich natürlich auf unsere Filialen aus. Insbesondere in ländlichen Gegenden kann in seltenen Fällen die Nachfrage nach unseren Leistungen so stark nachlassen, dass ein Standort nicht mehr rentabel zu betreiben ist. Mit Anfang Juni dieses Jahres mussten wir zum Beispiel die Filiale Lindow schließen. Was für die meisten Kunden kein Problem darstellt, da sie ohnehin unser nahegelegenes FinanzCenter in Neuruppin nutzen, ist für die älteren und weniger mobilen Einwohner von Lindow leider eine große Unannehmlichkeit. Wir bedauern diese Umstände sehr, aber wir sind – gerade auch als genossenschaftliches Unternehmen – verpflichtet, im Sinne aller unserer Kunden und Mitglieder rentabel zu wirtschaften.

Das ganze Netz im Auge behalten

Der Betrieb unseres Filialnetzes entspricht einem Prozess permanenter Feinjustierung. Service, Ausstattung, Teamgröße pro Standort und in der gesamten Standortverteilung werden regelmäßig überprüft und je nach Lage angepasst. Zu Filialschließungen kommt es nur bei entsprechend gravierenden Veränderungen an einem Standort. Wir reduzieren damit auch nicht die Leistungen für unsere Kunden, sondern bündeln sie nur an anderen Standorten mit modernerer Ausstattung wie in unseren neuen FinanzCentern.

Insgesamt können sich alle unsere Kunden darauf verlassen, dass wir auch in Zukunft ein Partner mit flächendeckendem Filial- und Leistungsnetz bleiben – aktuell mit 130 Standorten in Berlin und Brandenburg. Dabei achten wir auf eine möglichst optimale Verteilung unserer Standorte und Leistungen.

Alle Mitarbeiter bleiben an Bord

Übrigens werden im Fall von Filialschließungen bei uns keine Mitarbeiter entlassen. Sie bekommen allesamt neue Arbeitsplätze an anderen Standorten. Außerdem sind wir bemüht, die Versorgung mit SB-Automaten mindestens für die Bargeldversorgung aufrecht zu erhalten. Bis auf wenige Ausnahmen, wenn wir dafür keine Genehmigung erhalten, können wir diesen Service auch weiterhin gewährleisten.

Auch in Zukunft wird es in größeren Zeitabständen zu Filialschließungen kommen, die für einzelne Kunden Nachteile mit sich bringen. Wir bitten Sie um Verständnis für die Notwendigkeit dazu: Denn auch diese als negativ empfundenen Schritte nehmen wir im Sinne des gesamten Filialnetzes und im Sinne der Mehrheit unserer Mitglieder und Kunden vor.