Die Ausbildung bei der Berliner Volksbank dauert drei Jahre bei mittlerem Schulabschluss und zweieinhalb Jahre bei Abitur. Ich werde nach zweieinhalb Jahren fertig sein. Bis es soweit ist, drücke ich erneut die Schulbank, aber zum Glück nur alle zwei Wochen. Denn in der restlichen Zeit absolviere ich die praktische Ausbildung in der Filiale Velten. Ende Juni werde ich in das FinanzCenter Oranienburg wechseln und später auch noch ein paar andere Bereiche der Bank durchlaufen.
Berufsschule mit ungewöhnlichem Ausblick
Meine Schule, das Oberstufenzentrum für Banken und Versicherungen – allgemein unter OSZ bekannt – liegt auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Justizvollzugsanstalt Moabit. Was soll uns das sagen? Wenn wir etwas falsch machen, landen wir gleich auf der anderen Straßenseite? Es ist schon seltsam, wenn man aus manchen Klassenräumen winkende Insassen sieht, die ein Gefühl vermitteln, man könnte der nächste sein. Schließlich waren hier schon namhafte Persönlichkeiten „zu Gast“ wie der Hauptmann von Köpenick und später zweimal Erich, einmal Honecker und einmal Mielke. Aber das ist natürlich Unsinn, an den man denkt, wenn man im Unterricht mit den Gedanken abschweift.
Orange-Blau unter sich
Neben sehr sachlichem und manchmal schwer verdaulichem Lehrstoff haben wir natürlich auch viel Spaß in der Schule. Der Unterricht fängt meist um 7.55 Uhr an und endet spätestens um 15 Uhr. Wir pauken in 90-Minuten-Blöcken. Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen. Auch die Unterrichtsfächer waren wie ein Sprung ins kalte Wasser. Beim Abitur kann ich mich an kein Fach erinnern, in dem wir wirtschaftliche Zusammenhänge erklärt bekamen. Bankbetriebslehre, Wirtschaftslehre und Rechnungswesen waren daher komplettes Neuland für mich. Wer hier im Unterricht träumt, verliert schnell den Anschluss.
In meiner Klasse sind 16 Volksbanker, eine Sparda-Bankerin und zwei IBB-ler (Auszubildende der Investitionsbank Berlin). Das ist sehr praktisch, denn so können wir uns auch in der Schule über die Arbeit austauschen und die Lehrer können sich gut auf uns einstellen. Zum Beispiel haben wir die Allgemeinen Geschäftsbedingungen direkt am Beispiel der Berliner Volksbank besprochen.
Anziehend – Zuziehend
Dass die Berliner Volksbank für ihre Ausbildung schon mehrfach ausgezeichnet wurde, hat sich herumgesprochen. Einige meiner Mitschüler sind extra aus Schleswig Holstein, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern hergezogen. Die Ausbildungsabteilung kümmert sich sehr gut um uns. Die drei Ausbilderinnen geben uns ein sicheres Gefühl und wir können jederzeit um Rat fragen. Ich bin zwar erst ein halbes Jahr hier, werde aber schon jetzt auf die Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) vorbereitet. Wie gut diese Vorbereitung ist, belegen die Ergebnisse: Die Auszubildenden der Berliner Volksbank legten in den vergangenen Jahren stets die besten Prüfungen ab – unter allen Banken wohlgemerkt. Das macht selbst mich schon ein wenig stolz, setzt mich aber auch unter Druck
Die andere Seite der Ausbildung ist die Arbeit in der Filiale. Es ist das genaue Gegenteil der Schule. Ich kann länger schlafen, muss aber auch bis 18.30 Uhr arbeiten. Das war für mich eine große Umstellung. Früher war ich spätestens nachmittags um vier zu Hause und hatte ausreichend Zeit für meine Hobbys und Freunde. Heute muss ich mir die Zeit schon gut einteilen, um alles unter einen Hut zu kriegen.
Lauschend lernen
Die Arbeit in der Filiale ist sehr vielseitig. Die ersten Tage sind vollgestopft mit vielen neuen Eindrücken und Informationen. Wie werden Einzahlungen, Auszahlung und Umbuchungen technisch umgesetzt? Wie behandelt man Schecks und Überweisungen? Mit genügend Basiswissen im Gepäck geht es nach wenigen Monaten an die Kundengespräche. Auch hier ist zuhören und lernen sehr wichtig. Deshalb sitzen wir anfangs neben unseren Beratern und „lauschen“. Wie führen sie das Gespräch? Welche Fragen stellen sie? Nach und nach durfte ich auch immer mehr alleine machen. Zuerst die Daten im Computer erfassen, dann auch mal das Kundengespräch selber führen. Diesmal saß der Berater neben mir und lauschte, ob ich alles richtig machte.
Nach einem halben Jahr bin ich jetzt soweit, dass ich Kontoeröffnungen alleine durchführen darf und bei den Anlageberatungen zuhöre. Es ist sehr interessant, so viele verschiedene Menschen kennen zu lernen, ihre Geschichten zu hören und sie bei ihren finanziellen Angelegenheiten begleiten zu können.


