Eine Existenzgründung ist komplex und manchmal auch ganz schön kompliziert. So mancher hat bereits zu Beginn den Mut verloren, diesen entscheidenden Stein ins Rollen zu bringen. Zu viele unbekannte und manchmal auch holprige Wege, die es zu beschreiten gilt.
Angefangen von der Geschäftsidee, die erarbeitet und ausgebaut werden möchte, über umfangreiche Recherchen bis hin zum ausgefeilten Businessplan. Und dann sind da noch die vielen Fragen, die einem im Kopf herumschwirren. Wie steht es mit Finanzierungen, wie sehen diese konkret aus und welche Fördermöglichkeiten gibt es? Bin ich überhaupt förderberechtigt und wenn ja, was muss ich beachten?
Denn Förderprogramme gibt es reichlich. Die Frage ist nur, welches das Richtige für Sie ist. Während sich viele Existenzgründer in ein mehrtägiges Studium der Förderprogramme stürzen, Haare und Nerven lassen, um später häufig dennoch mit einem großen Fragezeichen im Gesicht dazustehen, schnappen sich andere an diesem Punkt bereits ihre Unterlagen und statten der Bank ihres Vertrauens einen Besuch ab.

Elmer Staudt - Leiter des GründerCenters Brandenburg
Um ein Bild davon zu bekommen, wie die Unterstützung in Sachen Förderprogramme im Detail aussieht, habe ich mich mit einem Spezialisten auf diesem Gebiet getroffen. Elmer Staudt, Leiter des GründerCenters Brandenburg, arbeitet bereits seit vielen Jahren auf diesem Gebiet und hat schon so manche Existenzgründung begleiten dürfen.
In einem Interview haben wir über Existenzgründungen in der heutigen Zeit, aufkommende Herausforderungen und besagte Fördermöglichkeiten gesprochen. Aber lesen Sie selbst:
Herr Staudt, gerade die „Ersttäter“ unter den Existenzgründern sind häufig unsicher, was in der Gründungsphase wie und in welcher Reihenfolge erledigt/bedacht werden sollte. Das ist auch kein Wunder, denn schließlich betreten sie Neuland. Welche Unterstützung können sie sich von ihrer Bank erhoffen?
Unser Schwerpunkt liegt in der Finanzierungsberatung. Doch im Grunde fängt die Beratung bereits in der Vorgründungsphase, d. h. mit Erstellung des Businessplanes (BP) an. Wenn der BP fertig ist schickt der Gründer ihn zu uns und wir schauen uns den BP intensiv an und machen uns über die Existenzgründung Gedanken. Anschließend wird ein Gesprächstermin vereinbart und die Fragen werden besprochen. Meistens endet das erste Gespräch damit, dass der Gründer den BP auf Grundlage der Empfehlung des Beraters weiter verfeinert/entwickelt.
Vorteilhaft ist dabei selbstverständlich, wenn das Gespräch zu einem frühen Zeitpunkt stattfindet, damit kein Zeitdruck entsteht. Nach der Finanzierungsbewilligung stehen wir den Gründern weiterhin mit unserem Netzwerk zur Verfügung. Daher sind wir häufig die erste Anlaufstelle, wenn Probleme oder auch Fragen auftauchen. Das ist eine Stärke der GründerCenter.
Die Einbindung in das Netzwerk kann auch bei Bedarf schon in der Phase der Prüfung/Besprechung des BP erfolgen.
Also beginnt die Unterstützung ja schon weit vor der Finanzierung. Ab wann ist es denn sinnvoll, sich im Zuge der Gründung mit der Bank in Verbindung zu setzen?
Der BP sollte im Wesentlichen schon fertig sein. Dann ist der richtige Zeitpunkt mit einer Bank zu sprechen. Ausnahmsweise kann auch schon bei der Erstellung des BP Kontakt mit der Bank aufgenommen werden. Das empfiehlt sich bei größeren Vorhaben, um evtl. gewisse Konstellationen beim Geschäftsaufbau zu wählen, die eine Finanzierung leichter machen (beispielsweise das Gesellschafterverhältnis oder die Unternehmensorganisation).
In jedem Falle sollte der Kontakt zur Bank rechtzeitig erfolgen, da eine Bank auch immer Zeit für die Genehmigung/Bearbeitung braucht.
Gibt es bestimmte Fragen, die immer wieder gestellt werden? Welche Fragen bewegen die Unternehmer von morgen?
Zum einen dreht es sich bei den Fragen oftmals um das Eigenkapital bzw. Sicherheiten. Wie viel Eigenkapital brauche ich? Bekomme ich auch einen Kredit, wenn ich keine Sicherheiten habe? Dazu lässt sich Folgendes sagen: Es sollten mindestens 10 % Eigenkapital sein, die eingebracht werden können. Je mehr, desto besser, denn Eigenkapital stellt einen Puffer dar und dient als Reserve. So ersparen Sie sich auch so manche Sorgenfalte.
Die Kreditvergabe ohne Sicherheiten ist bei uns möglich (hier kann ich selbstverständlich nicht für andere Banken sprechen), da wir bei Finanzierungen bis 100.000 Euro das KfW Startgeld beantragen und darin automatisch eine 80 %ige Haftungsfreistellung für die Bank enthalten ist. Alle darüber liegenden Finanzierungen lassen wir bei fehlenden Sicherheiten durch die regionalen Bürgschaftsbanken bis zu 80 % begleiten.
Zum anderen sind es die Fördermittel, die Fragen aufwerfen. Viele angehenden Unternehmer sind sich unsicher, ob sie überhaupt für eine Förderung in Frage kommen. Dabei gibt es kaum ein Vorhaben, das keine Fördermittel erhalten würde.
Worum handelt es sich denn genau bei Fördermitteln? Wer vergibt sie und wie beantrage ich
sie?
Es gibt zwei Arten von Förderung:
- Die klassischen Darlehen der KfW (beispielsweise das Startgeld, der Gründerkredit investiv oder das ERP-Kapital für Gründung).
- Die Investitionszulage, die beim Finanzamt beantragt werden muss und die GRW-Mittel als verlorene Zuschüsse, die bei den Investitionsbanken zu bekommen sind.
Die KfW-Darlehen müssen über die Hausbank beantragt werden. Die beiden letzten Fördermittel (IZ und GRW) sind jeweils bei den Trägern zu beantragen (Finanzamt und Investitionsbank), sind aber mit der Hausbank zu besprechen, da wir diese Mittel auch im Finanzierungsplan berücksichtigen müssen. Wir müssen dabei gewisse Vorgaben der EU hinsichtlich der Subventionen beachten. Da ist unsere Aufgabe, unserer Service für den Gründer.
Gibt es bei den Fördermitteln etwas zu beachten?
Förderprogramme können nur für zukünftige Investitionen beantragt werden. Das hat zur Folge, dass man, bevor man investieren will, mit seiner Hausbank gesprochen haben muss. Diese muss das auch dokumentieren. Bei dem ERP-Kapital für Gründung ist zwingend ein Eigenanteil von 10 % von der KfW vorgeschrieben.
Das sind ja schon mal viele Informationen. Aber wie finde ich nun das „richtige“ Förderprogramm für meine Unternehmung?
Die Bank sollte dabei helfen, die richtigen Finanzierungbausteine für den Gründer zusammenzustellen. Fördermittelfinder und detaillierte Informationen zu den einzelnen Förderprogrammen gibt es aber auch auf den Internetseiten der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), der Industrie- und Handelskammern (IHK), des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWI) sowie auf unseren Seiten im Internet.
Vielen Dank, Herr Staudt, dass Sie sich die Zeit genommen haben, uns ein wenig in die Irrungen und Verwirrungen der Gründungsphase einzuführen. Wir hoffen, dass nicht nur wir, sondern auch so mancher Existenzgründer nun um einige Fragezeichen leichter ist.
Für diejenigen, denen es schwer fällt, so viel Vertrauen in eine Person (in Gestalt des Bankberaters) zu legen, gibt es Hilfestellungen, um Licht ins Dunkel zu bringen. Diese sind im Internet zu finden, allerdings nur zeitaufwendig von den vielen „Blendern“ zu selektieren.
Darum haben wir uns auf die Suche begeben, um Ihnen die Lieblinge der Redaktion zu präsentieren:

