Mitarbeiter sind Mitarbeiter sind Mitarbeiter … dass dies nicht ganz stimmt, wird ersichtlich, wenn man mal hinter die Mitarbeiterfassade schaut und sich mit den Fähigkeiten und Hobbys der Kollegen auseinandersetzt, die auf den ersten Blick relativ wenig mit dem eigentlichen Bankjob zu tun haben.
Wir haben dies getan und wirklich erstaunliche Geschichten unserer Kollegen erfahren. Bei einigen sollen diese nicht im Verborgenen bleiben, so dass wir uns entschlossen haben, Ihnen in loser Folge Mitarbeiter der Berliner Volksbank und deren außergewöhnliches Talent, Fähigkeiten, Engagement oder Hobby`s vorzustellen.
Mit den Händen reden
Starten möchten wir heute mit Petra Waldvogel. Sie arbeitet im Vorstandssekretariat und hat mich persönlich mit ihrem Engagement zum Erlernen einer ungewöhnlichen Fähigkeit stark beeindruckt.
Wissen muss man dazu, dass Frau Waldvogel weder gehörlos ist, noch Kontakt zu gehörlosen Menschen hatte. Trotzdem war Sie schon immer davon fasziniert, wie sich gehörlose Menschen mit den Händen unterhalten.
„Wie geht das? Worüber unterhalten die sich? Das würde ich auch gern können …“
Was sich erst einmal wie die Überlegung zu einem neuen Hobby anhört, hat einen handfesten Hintergrund. Für mehr als 80.000 gehörlose Menschen (ca. 5.000 in Berlin und Umgebung) ist die Unterhaltung mit den Händen und das Lippenlesen Alltag. Als Gehörloser hat man immer wieder Kommunikationsprobleme mit Hörenden und auch umgekehrt gibt es einige Verständigungshürden.
Wissenswertes
Blickt man in die Geschichte der Gehörlosen, dann ist die Gebärdensprache eine unterdrückte Sprache. Seit Ende des 19. Jahrhunderts durfte in Deutschland nur noch lautsprachlich an den Gehörlosenschulen unterrichtet werden. Durch Artikulation und Mundabsehen sollten Gehörlose in ihre hörende Umwelt eingegliedert werden.
Die Gebärde wurde belächelt und an den Schulen teilweise sogar unter Strafe verboten. Trotzdem ist die Gebärdensprache erhalten geblieben und hat sich im Laufe der Zeit an den jeweiligen Schulstandorten eigenständig weiterentwickelt.
Bis heute gibt es daher die unterschiedlichsten Dialekte. Die Gebärdensprache ist in Deutschland und auch weltweit nicht einheitlich. Erst im Mai 2002 wurde die Gebärdensprache vom Deutschen Bundestag und Bundesrat im „Bundesgleichstellungsgesetz“ als eigenständige Sprache in Deutschland anerkannt.
Weltweite Fingeralphabete finden Sie unter www.fingeralphabet.org.
Hintergrund für Frau Waldvogel war die Überlegung, gehörlose Menschen bei wichtigen Terminen zu begleiten und ihnen in Beratungen zur Seite stehen zu können. Dies hatte ursprünglich nicht mal etwas mit uns als Bank zu tun, denn jeder Gehörlose hat ein Recht auf einen Gebärdendolmetscher bei Behördengängen, welcher ihm vom Integrationsamt zur Verfügung gestellt werden kann.
Auch wenn am Anfang die Meinung stand, dass das Erlernen der Gebärdensprache für Hörende nicht angeboten wird, brachte die Suche im Internet eine andere Erkenntnis. Es gibt eine Menge Schulen in Deutschland, die Kurse für Gebärdensprache anbieten (z. B. Gebärdenfabrik, Gebärdenservice, Ambulante Gebärdensprachschule).
Das Gesicht spricht Bände
Bei dem Besuch eines Schnupperkurses im November 2008 habe ich die ersten „Handgriffe“ live erlebt und war sofort von dieser für mich neuen Art der Kommunikation begeistert.
Ich wollte aber noch mehr darüber lernen und habe bis Mitte 2009 an zwei Intensivkursen teilgenommen und dabei jede Menge Worte gelernt, die ich nun mit meinen Händen und meiner Mimik umsetzen konnte.
Apropos Mimik … es wird nicht nur mit den Händen gesprochen. Ganz entscheidend bei einem Gespräch ist die sehr stark ausgeprägte Mimik, die unterstützend zu den Händen eingesetzt wird, um entsprechende Gefühlssituationen zu vermitteln. Hinzu kommen Mundbild, Blick und Haltung des Kopfes, die Körperhaltung und das Fingeralphabet – was die Gebärdensprache insgesamt sehr komplex macht.
Das sieht unter Umständen zwar komisch aus, ist für die Verständigung aber von entscheidender Bedeutung. Deshalb ist es auch wichtig, dass Hörende in der Kommunikation mit Gehörlosen deutlich und in der Mundbewegung sehr ausgeprägt sprechen, um das Lippenlesen zu erleichtern. Das unwillkürliche lauter Sprechen oder gar Schreien hilft da nicht weiter.
Unterhaltung ist nicht gleich Erzählung
Erste kleine Erfolge wurden sichtbar, als ich mich bei einer Gehörlosenveranstaltung in Gebärdensprache verständigen konnte. Zwar nicht fließend, aber man hat mich doch tatsächlich schon verstanden.
Eine Unterhaltung und eine Erzählung unterscheiden sich in der Art der Darstellung schon sehr gewaltig. Während in einer Erzählung der Erzählende erst einmal deutlich machen muss, wo in seiner „Geschichte“ bestimmte Gegenstände vorhanden sind, um dann das eigentliche Ereignis schilden zu können, ist die Reihenfolge der Worte in einer Unterhaltung völlig anders, als dies Hörende kennen.
So wird aus dem Satz „Heute fahre ich mit dem Auto zur Schule“ in diesem Fall „Heute ich Schule Auto-fahren hin“. Und jetzt stelle man sich die Komplexität einer Bankberatung vor.
Kurse oder Ausbildung?
Irgendwann stand ich vor der Entscheidung, noch weitere Kurse zu besuchen oder eine einjährige Ausbildung anzufangen. Den entscheidenden „Schubser“ hat mir mein Lehrer gegeben, der mich auch zu Gehörlosentreffen begleitete und dadurch meine Fortschritte gut beobachten konnte.
Ein Jahr lang wurden Kenntnisse vertieft, viele Veranstaltungen besucht, Filme gesehen und viele Gehörlose mit Ihren Problemen kennengelernt. Im November 2010 absolvierte Frau Waldvogel ihre Prüfung zur „Kommunikationsassistentin für hörgeschädigte Menschen“ erfolgreich.
Diese Fähigkeit wollen wir für Sie nutzen.
Sie sind gehörlos oder kennen jemanden, der betroffen ist? Sie benötigen eine Bankberatung oder Hilfe bei finanziellen Problemen? Frau Waldvogel steht Ihnen gern als Übersetzerin zur Verfügung.
Wenn Sie einen Termin vereinbaren möchten, dann schreiben Sie doch bitte an service@berliner-volksbank.de oder nutzen unser Terminvereinbarungsformular. Damit das Formular direkt an Frau Waldvogel weitergeleitet werden kann, notieren Sie bitte im Feld Filiale/Bezirk den Begriff „Zentrale“ und im Feld Telefon den Begriff „gehörlos“. Frau Waldvogel wird sich dann mit Ihnen per Mail zwecks Terminbestätigung bzw. Abstimmung in Verbindung setzen.
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir die Termine ausschließlich in unserer Zentrale in der Budapester Str. 35 (10787 Berlin) durchführen können.
Bildnachweis
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Update vom 22.03.2012 | Übersetzungs-App für Gebärdensprache
Diese funktioniert laut Heise auf Laptops, Netbooks, Smartphones oder Tablets und arbeitet mit jeder normalauflösenden Standardkamera. Die Gebärden werden sofort in Texte übersetzt
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