Stadt, Land, Bank – aus der Welt der Berliner Volksbank

Berliner Volksbank Blog - Stadt, Land, Bank – aus der Welt der Berliner Volksbank

Sie wollen doch nur spielen

Wer zum ersten Mal von den Spreefüxxen liest, glaubt an einen Schreibfehler. Doch weit gefehlt. Hier steht drauf, was auch drin ist. Das doppelte X-Chromosom im Namen steht für die Handballerinnen der 2. Bundesliga Nord.

Bündelung der Kräfte

Spreefüxxe im Spiel

Spreefüxxe in Aktion

Handball erlebt in den letzten Jahren einen deutlichen Zulauf. Und wie so oft in Berlin, wächst das Interesse mit steigendem Erfolg. Die Reinickendorfer Füchse sind heute vor allem für ihre Männer in der ersten Bundesliga bekannt. Doch wie sieht es mit weiblichen Mannschaften in Berlin aus?

Der Sportverein Berliner Verkehrsbetriebe 09 und die Reinickendorfer Füchse haben sich 2009 entschlossen, die Kräfte der beiden Handballmannschaften der Damen zu vereinen. Das Ergebnis ist eine Gesamt-Berliner Mannschaft, unsere „BVB Füchse Berlin – Die Spreefüxxe“!

Auch wenn Frauen-Handball noch nicht die Popularität anderer Sportarten erreicht hat, die Spreefüxxe wissen zu begeistern. Mit beeindruckender Leistung und weiblicher Eleganz zugleich!

Sympatisch, engagiert und bodenständig

Für die 2. Bundesliga-Mannschaft kämpfen 17 Spreefüxxe, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie sind zwischen 18 und 42 Jahren alt, sie studieren, gehen kaufmännischen Berufen nach, organisieren Events oder arbeiten als Physiotherapeutin. Was sie vereint ist die Liebe zum Handball, ihr Kampfgeist und der Hunger nach Siegen. Ihre Leidenschaft kann man förmlich spüren und dennoch ist die Atmosphäre freundlich und familiär. Vielleicht kann man mit den Spielerinnen auch deshalb so kräftig mitfiebern, weil man sie wie Bekannte aus der Nachbarschaft wahrnimmt.

Das Berlin-Brandenburg-Derby steht an

Das vergangene Heimspiel am 12. Februar 2011 gegen den TSV Nord-Harrislee war bis zur letzen Minute spannend. Beide Teams haben stark gekämpft und sich die Führung mehrfach gegenseitig abgenommen. In der letzten Spielminute gelang den Spreefüxxen der verdiente Ausgleich und die Partie endete 28:28 unentschieden. Die Punkte wurden somit gerecht zwischen den Kontrahentinnen geteilt.

Alexandra Sviridenko

Alexandra Sviridenko

Schon am 26.02.2011 verwandelt sich die Sporthalle in der Sömmeringstraße erneut in den Fuxxbau. Das Derby gegen die Damen des MTV Altlandsberg steht an. Doch was macht ein Spiel zum Derby? Ist es „nur“ die räumliche Nähe der beiden Vereine oder gibt es eine tiefe Bedeutung für Spielerinnen und Fans?

Diese Frage haben wir Alexandra Sviridenko – Spielmacherin der Spreefüxxe gestellt:

In Derbysituationen geht es des öfteren hoch her, denn die Gegner und Fans kennen sich gut. Meist sind das die spannendsten Duelle und Höhepunkte der Saison, die uns Spielerinnen sehr viel Freude bringen. Da in Derbysituationen auch die Fans der gegnerischen Mannschaft gut vertreten sind, zählen wir auf lautstarke und zahlreiche Unterstützung durch unsere Fans gegen Altlandsberg.

Lernen Sie die Spreefüxxe kennen

… und feuern Sie unser Team an! Als Partner der Spreefüxxe können wir auf den Spielverlauf keinen Einfluss nehmen, aber bei der Organisation von lautstarker Unterstützung helfen wir gern!

Und weil es sich gemeinsam viel lauter und eindrucksvoller jubelt, laden wir alle Leserinnen und Leser mit einer Begleitperson zum Derby am 26. 02.2011 um 20:00 Uhr ein.

Wie kommen Sie an die Tickets? Schreiben Sie einfach in einem Kommentar, ob Sie die Spreefüxxe bereits kennen oder erstmals live erleben wollen. Motivierende Worte sind natürlich herzlich willkommen und werden gern an das Team weitergegeben.

Alle weiteren Informationen zum Spiel und die Eintrittskarten senden wir Ihnen rechtzeitig per Mail zu.

Stichtag für die Teilnahme ist Freitag, der 25. Februar 2011, 12:00 Uhr.

Wir freuen uns über Ihre Kommentare, auf eine laute Tribüne und eine tobende Halle!
Vielleicht können wir so doch ein wenig Einfluss auf den Spielverlauf nehmen …

Ein Dreikäsehoch und die Spaltung Berlins

1949 – unsere Bank ist drei Jahre alt

Gewitzt, pfiffig, neunmalklug und einfach liebenswert. Mit drei Jahren beginnt für viele Kinder das erste pädagogische Abenteuer – der Kindergarten. Das erste Mal ohne die Eltern. Das ist aufregend. Der eine betritt diesen neuen Lebensabschnitt schüchtern, der andere ist froh, endlich mal raus zu kommen und Gleichgesinnte zu treffen. Malen, basteln, spielen, streiten und toben. Leider können sich viele von uns nur schemenhaft an diese Zeit erinnern. Doch an das, was hängen geblieben ist, erinnert man sich ein Leben lang. Ob gern oder nicht, sei dahingestellt.

Geteiltes Berlin – Zigarette als Währung

An die Spaltung des Landes zur selben Zeit denken wir jedenfalls nicht so gern zurück. Die unmittelbare Nachkriegszeit in Deutschland wurde vom allgemeinen Chaos bestimmt. Zu den ungeheuren Mengen deutschen Geldes kam noch das Besatzungsgeld. Der Schwarzmarkt blühte. Die Preise wurden in extreme Höhen getrieben. Schließlich verlor das Geld seine Bedeutung als Wertmaßstab fast völlig. Der Naturalientausch setzte sich durch und nachdem die Westmächte in Berlin eingezogen waren, bestimmte eine härtere Währung den Markt: Die Zigarette.

Am 20. Juni 1948 führten die westlichen Besatzungsmächte in Westdeutschland eine Währungsreform durch. Als Antwort reagierte die sowjetische Militärregierung ihrerseits am 24. Juni 1948 mit einer Währungsreform. Die Spaltung Deutschlands in zwei Währungsgebiete fand 1949 ihre bittere Konsequenz in der Spaltung des Landes in zwei Staaten.

Der Riss ging auch durch die Berliner Volksbank

Nicht nur Deutschland und Berlin waren geteilt – der Riss ging auch durch unsere noch sehr junge Berliner Volksbank, deren Filialen sich über das gesamte Stadtgebiet erstreckten. Vom Tage der Währungsreform an ergaben sich für das Buchungssystem Probleme, die nicht zu lösen waren. Eine einheitliche Leitung der Bank war nahezu unmöglich. So wurde auch der Vorstand am 23. Juli 1948 getrennt. Während das Vorstandsmitglied Gerhard Fröhling mit den Aufgaben der Westfilialen betraut wurde, waren Ernst Furche und Ernst Härtel für die Filialen im Ostsektor zuständig.

Der Hunger als ständig knurrender Gast

Das Leben war schwer in dieser Zeit. Es fehlte überall an allem. Davon war die Berliner Volksbank nicht ausgenommen, weder in Ost noch in West.

Es gab keine Kohlen, keine Fensterscheiben, kein Papier. Doch der Bankbetrieb wurde in beiden Stadthälften mit aller Kraft aufrecht erhalten. Improvisationskunst war gefragt. Als Schreibpapier nutzte man die Rückseiten bereits beschriebener Blätter. Im Winter brachten die Mitarbeiter allmorgendlich Briketts, die sie wer weiß woher „organisiert“ hatten, um die Filialen wenigstens lauwarm heizen zu können. Die leeren Fensterrahmen wurden mit ebenso „organisierten“ Brettern vernagelt.

Trotz dieser Versuche, der Kälte zu Leibe zu rücken, mussten die Kassierer in Handschuhen mit abgeschnittenen Fingerlingen arbeiten, um die klammen Hände überhaupt noch bewegen zu können.

Zu alldem gesellte sich der Hunger als ständig knurrender Gast. Das vom sowjetischen Stadtkommandanten Kotikow eingerichtete tägliche warme Mittagessen, das Kotikow-Essen, war für alle eine sehnlich erwartete Mahlzeit. Wenn sie auch häufig aus Graupen bestand, die einem schon fast zu den Ohren heraus quollen. Doch es war ein warmes Essen! Jeden Tag.

Eine der Kotikowküchen befand sich in der Ruine, in der auch die erste Zentrale der Berliner Volksbank untergebracht war – Brüderstraße 3, Berlin-Mitte. Das Essen wurde in eine Granatenhülse gefüllt und ein Kollege fuhr mit einem klapprigen Fahrrad (zu dieser Zeit ein großer Schatz!) von Filiale zu Filiale. In der letzten Filiale kam das Essen freilich kalt an, aber diese Kollegen hatten das Privileg, die Granatenhülse auszukratzen.

Tortenschlacht!
Wir haben Geburtstag – Sie gewinnen die Torten

Torte der Konditorei Fester

Das könnte bald Ihre Torte sein

Apropos Essen. Wir haben versprochen, dass wir unseren Geburtstag nicht alleine feiern. In unserem Geburtstagsjahr verlosen wir jeden Monat köstliche Torten der Konditorei Fester. 65 Jahre Berliner Volksbank macht 65 Torten für Sie. Was Sie dafür tun müssen? Erzählen Sie uns von sich – und zwar von Ihrer Kindergartenzeit. Lassen Sie uns teilhaben an Ihren Erlebnissen als Dreikäsehoch.

Unter allen Geschichten, die bis zum 28. Februar 2011, 12 Uhr, als Kommentare bei uns eingehen, entscheidet das Los. Die Benachrichtigung der Gewinner erfolgt per E-Mail und hier im Blog. Machen Sie mit, es lohnt sich! Die Cremetorten haben einen Durchmesser von 27 cm und machen bis zu 16 Süßschnäbel glücklich.

Wir danken unserem langjährigen Kunden, der Konditorei Fester, für die Unterstützung.

Weitere Informationen

Konditorei Fester

Update vom 28.02.2011 | Die ersten Torten sind verlost

Eine Glücksfee hat die Gewinner unserer fünf Geburtstagstorten ermittelt. Herzlichen Glückwunsch und guten Appetit an:

  • Juliane B.
  • Günter Schulze
  • Julian M.
  • Ilona Lehmann
  • MHMueller

Die Tortenschlacht ist aber noch lange nicht zu Ende. Mitte März geht es weiter. Dann verlosen wir wieder unsere leckeren Geburtstagstorten. Schauen Sie doch einfach wieder rein in unseren Blog. Dort erfahren Sie dann auch wieder mehr über die Geschichte der Berliner Volksbank.

Bei allen, die nichts von der Torte abbekommen haben, bedanken wir uns ganz herzlich. Wir haben sehr geschmunzelt über die schönen Geschichten aus der Kindergartenzeit.

So ‘ne geile East-West-Side-Story

Udo Lindenberg - Hinterm Horizont

Udo Lindenberg vor dem Theater am Potsdamer Platz in Berlin.

Bei der Weltpremiere am 13. Januar 2011 im Theater am Potsdamer Platz konnten Passanten auf dem roten Teppich am Marlene-Dietrich-Platz die rund 1.800 Gäste, einen goldenen Trabbi und Udo Lindenberg bestaunen. Die Geschichte hat Erfolgsautor Thomas Brussig (“Sonnenallee” und “Helden wie wir”) geschrieben. Die Musik des “Panicals” wie Udo gern mal sagt, ist vom Meister persönlich.

“Gitarren statt Knarren”

Wie kein anderer glaubte der lässige Rockpoet Udo Lindenberg unermüdlich an ein vereintes Deutschland. Als einer der ersten westdeutschen Rockmusiker durfte er 1983 ein Konzert in der DDR geben. Bei seinem Auftritt im Palast der Republik lernt Udo das junge FDJ-Mädchen Jessy kennen, das „Mädchen aus Ostberlin“. Denkwürdig war auch der Moment als Udo Lindenberg 1987 dem damaligen SED-Generalsekretär Erich Honecker bei dessen Besuch in Wuppertal eine E-Gitarre mit der Aufschrift “Gitarren statt Knarren” überreichte.

Rund 30 Darsteller präsentieren Udo Lindenbergs erstes Musical. Sie werden begleitet von einer Band, die Lindenberg-Klassiker wie “Andrea Doria”, “Ich lieb’  Dich überhaupt nicht mehr” und natürlich “Hinterm Horizont” spielt.

Mit seinem Musical will Udo Lindenberg ein Stück Zeitgeschichte zeigen. Und zwar für alle – für Rockexperten, für Leute aus der damaligen DDR und  aus dem Westen – und für junge Leute, “die Honecker für einen Brotaufstrich halten”.

Das ist “Mein Ding” – begleiten Sie mich!

Für die erste Vorstellung nach der Berlinale (26. Februar 2011, 15.30 Uhr, Theater am Potsdamer Platz) haben wir die letzten zwei Karten bekommen. Sie und eine Begleitperson sind herzlich eingeladen, gemeinsam mit mir diese Zusatzvorstellung zu besuchen.

Was müssen Sie hierfür tun?

  • Schreiben Sie einen Kommentar, wie Sie den 9. November 1989 erlebt haben.
  • Unter allen Kommentaren entscheidet dann das Los.
  • Stichtag ist der 21. Februar 2011, 12.00 Uhr.
  • Den Gewinner werden wir per E-Mail benachrichtigen und hier bekannt geben.

Weitere Informationen

Update vom 22.02.2011 | Der Gewinner steht fest

Unsere Glücksfee hat den Gewinner ermittelt. Herzlichen Glückwunsch an

Jörg Labahn!

Gemeinsam mit einer Begleitung und mir wird sich Jörg Labahn am 26. Februar 2010 das Musical ansehen.

Vielen Dank an alle für die zahlreichen Kommentare. Es war interessant zu lesen, wie unterschiedlich Sie den 9. November 1989 erlebt haben. Die einen haben den Tag des Mauerfalls verschlafen, andere konnten es nicht glauben, aber vergessen hat diesen bewegenden Tag niemand.

Bildnachweis

© Eventpress Herrmann (05.10.2010)

Herzlichen Glückwunsch

Vielen Dank für Ihre tolle Beteiligung an unserem Hertha-Gewinnspiel. Wir brauchten doch ein bisschen, um uns durch die tollen Geschichten rund um Ihre Hertha-Erlebnisse zu wühlen.

Am Ende gab es dann viel zu viele schöne Geschichten, um einen ganz klaren Gewinner benennen zu können. Unter unseren Favoriten haben wir dann die Losfee entscheiden lassen.

And the Winner is

Der Gewinner unserer Vip-Paket-Verlosung ist: David Alex

Herzlichen Glückwunsch – Wer möchte, kann die Geschichte von David noch einmal nachlesen.

Es wird noch nachgeschossen

Am Ende fanden wir es Schade, dass wir nur einen Kommentator beglücken können. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, zusätzlich 3 x 2 Karten für das Spiel HERTHA BSC gegen Cottbus rauszuhauen.

Die Glücklichen sind:

  • Marcel Lorenz
  • Andrea Hogrebe
  • Julia Ziegler

Allen Mitspielern nochmals ein herzliches Dankeschön für die emotionalen Momente und allen Gewinnern viel Spaß beim Spiel.

Und wenn ich einen persönlichen Wunsch äußern darf: Hertha Zweeiii – Cottbus Nuuuull

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© Bertold Werkmann – Fotolia.com

Wenn die Tochter zu schwer wird

Wenn Väter mit ihren Töchtern turnen, wer denkt da an Salto, Flickflack und Hebefiguren? Doch genau das verbirgt sich hinter „Dreamdaddys und ihre Töchter“ des TSV Falkensee e.V.

Seit sieben Jahren turnen Väter gemeinsam mit ihren Töchtern. Das ist bundesweit einmalig. Sie treten mit ihren Programmen auch bei verschiedenen Veranstaltungen auf. Die sportlichen Erfahrungen im Team steigern die familiäre Verbundenheit und helfen, Konfliktthemen innerhalb der Familie zu lösen.

Probleme im Team gibt es auch. Aber erst, wenn die Töchter größer und somit zu schwer werden. Nachwuchs ist daher stets willkommen. Das Ticket für die heutige Bundesverleihung in Berlin haben die Dreamdaddys in der Tasche. Vielleicht auch den großen Stern des Sports in Gold? Wir drücken die Daumen.

Weitere Informationen

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© Michael Kempf – Fotolia.com

Wenn Stress zur Flugangst wird

Als ich mir hektisch meine Tasche greife und mich mit einem flüchtigen „Ich bin dann mal weg“ von meinen Kollegen verabschiede, fluche ich innerlich. Mal wieder habe ich kein Ende gefunden und kann mich schon jetzt auf eine nervöse Bahnfahrt einstellen.

Manchmal frage ich mich, warum ich fortwährend auf die Uhr schaue, wenn ich zu spät dran bin. Vermutlich geht es darum, die Ausmaße der Verspätung abzuschätzen. Ändern wird sich die voranschreitende Zeit dadurch nicht. Was auch immer der unterbewusste Auslöser ist, ich teile dieses Verhalten offensichtlich mit vielen Mitverspäteten und es hat zur Folge, dass ich nicht wie geplant entspannt und souverän, sondern außer Atem und fahrig an meinem Ziel eintreffe.

Entspannen im Unternehmeralltag

Ja, so ist es. Mein Ziel ist ein Seminar der UnternehmerAkademie der Berliner Volksbank mit dem Titel „Entspannung im Unternehmeralltag“.

Als klassische Angestellte gehöre ich zu den wenigen Ausnahmen an diesem Tag. „Stress kann schließlich jeden treffen“, denke ich mir und stöbere in der bereitgestellten Auslese einer bekannten dänischen Keksmanufaktur, während wir auf die restlichen Teilnehmer warten. Als ich merke, dass ich kurz davor bin, bei der Auswahl eines Kekses in Stress zu geraten, nehme ich mir beschämt den nächstbesten und setze mich unauffällig auf meinen Stuhl. Nun gut, so unauffällig, wie es so ein Krümelkeks nun mal zulässt.

Langsam füllt sich der Teilnehmerkreis und das Seminar geht in die erste Runde. Ich frage mich, ob der Dozent das Gelehrte auch selbst anwendet, denn besonders entspannt wirkt er nicht. Im Gegensatz zu den anwesenden Teilnehmern, von denen ich in Anbetracht des gebuchten Seminars mehr Stressauffälligkeiten erwartet hatte. Keine nervösen Flecken im Gesicht, keine abgekauten Fingernägel, keine unruhigen Kettenraucher. Eine gelöste und sympathische Runde humorvoller Unternehmer und Unternehmerinnen.

Boris Kollek, Diplom-Psychologe und Gründer der Personal- und Organisationsberatung TransferTeam, wird uns heute hoffentlich beibringen, selbst in stressigen Situationen die Ruhe zu bewahren. Zunächst werden die wichtigsten „Spielregeln“ des heutigen Tages geklärt. Von besonderer Bedeutung ist eine Regel, die uns als Randnotiz den ganzen Tag begleiten wird: Die Vertraulichkeit! Damit das Seminar nicht zum Rätselraten wird, werden wir heute offen und ehrlich sein. Da das durchaus sehr persönlich werden kann, stellt die Regel der Vertraulichkeit die Basis des Seminars dar.

Das sehe ich genauso wie die übrigen Teilnehmer, dennoch fühle ich mich unbehaglich, denn aus einer vorangegangenen Vorstellungsrunde war hervorgegangen, warum ich in erster Linie hier sitze. Während ich mich unter den misstrauischen Blicken derer winde, die wohl befürchten, ich würde meine anschließende Berichterstattung eventuell doch in private Details vertiefen, merke ich, wie unser werter Dozent mit jedem Wort lockerer wird und an Stimme gewinnt. Er ist in seinem Element.

Die Reise ins Stressland

Für die kommenden fünf Stunden wird der Dozent uns auf eine Reise mitnehmen. Ich werde die unterschiedlichen Dimensionen von Stress kennenlernen und feststellen, dass der Stress eines Unternehmers, dessen Existenz von seinem Gelingen abhängt, nicht vergleichbar mit dem meinen ist. Wir erfahren, wie sich Stress bemerkbar macht, dass die Symptome sich mit der typischen Angstreaktion decken und dass durch die Tücken des Gehirns gefühlter Stress manchmal zu gelebter Angst mutiert. Kein Wunder also, wenn der gestresste Vielflieger plötzlich unter Flugangst leidet. Gemeinsam gehen wir unseren Stressursachen auf den Grund, analysieren diese und lernen die sechs Ws kennen.

Die sechs Ws auf dem Weg zur Erkenntnis

Um den Stress effektiv zu bekämpfen, ist es wichtig, ihn sich vorab in allen Einzelheiten bewusst zu machen und zu betrachten. Ähnlich wie bei der Kriegsführung, bei der das feindliche Lager zuerst ausgekundschaftet wird, ehe man zum Angriff übergeht. Die sechs Ws helfen dabei, so konkret wie möglich vorzugehen.

  • Was ist genau passiert?
  • Wann genau ist es passiert?
  • Wo genau ist es passiert?
  • Wer ist daran beteiligt (direkt/indirekt)?
  • Wie passiert es genau?
  • Warum passiert es?

Dinge, die stresslösend wirken und uns zur Ruhe kommen lassen

Jetzt gilt es, den Feind zu bekämpfen oder sich gar mit ihm anzufreunden. Für welche Variante man sich auch entscheidet, wichtig ist dabei, herauszufinden, was einem persönlich gut tut. Dinge, die stresslösend wirken und uns zur Ruhe kommen lassen, fallen uns schnell ein. Für den einen ist es ganz schlicht das Gläschen Wein mit Freunden, für die Dame zu meiner Linken ist es ein gutes Buch oder klassische Musik … Vielfältig sind sie, die Vorlieben, doch zählen sie beinahe alle in die Rubrik der Dinge, für die wir uns zu selten Zeit nehmen. Wir wissen, was uns hilft, wenden es aber nicht an. Keine Zeit!

Sind wir nicht alle ein bisschen Holzfäller?

Das erinnert an die Geschichte vom Holzfäller, der sich mit einer stumpfen Axt abmüht, einen Wald abzuholzen. Auf den Vorschlag eines Wanderers, seine Axt zu schärfen, reagiert er gereizt: “Sehen Sie denn nicht, dass ich keine Zeit habe, meine Axt zu schärfen?!“ Er übersieht, dass er anschließend wesentlich effektiver und schneller arbeiten könnte.

Wenn PR zur Entspannung wird

Grundsätzlich kennen wir bereits die Antworten auf unsere Fragen. Wir haben sie nur vergessen oder verdrängt. Der alltäglich Stress nimmt uns manchmal so sehr ein, dass wir vergessen, was uns hilft. Oder wir nehmen uns einfach nicht die Zeit dafür.

Zugegebenermaßen lässt sich nicht jede Entspannungsaktivität an Ort und Stelle realisieren, aber auch daran hat unser Dozent gedacht. So kommen wir in den Genuss diverser Entspannungstechniken, die sich in kurzer oder in langer Version in beinahe jeder erdenklichen Situation anwenden lassen. Eine Erste-Hilfe-Technik als Sofortmaßnahme ist auch dabei. Je nach Durchführung ist ein tolerantes Umfeld von Vorteil ;-) .

Selbst die erfahrenen Entspannungsfinder in unserer Runde lernen hier neue Möglichkeiten kennen. Oder haben Sie es schon mal mit PMR (auch: PR) versucht? Wer hier an Öffentlichkeitsarbeit denkt, liegt falsch! Es handelt sich um eine Technik, bei der mithilfe von An- und Entspannung der einzelnen Muskelgruppen ein Zustand tiefer Entspannung herbeigeführt wird. Vor allem für die, denen bekannte Meditationsmethoden nicht zusagen, ist  PMR eine tolle Alternative.

Die Erkenntnis

Als wir uns an diesem Abend in die eisige Kälte Berlins begeben, schweben sie über uns. Die wärmenden Pläne, die wir nun schmieden, um langgehegte Vorhaben endlich umzusetzen. Einfach mal die dicke Staubschicht auf der Gitarre entfernen und wieder losschrammeln – wie in alten Zeiten. Oder vielleicht heute Abend endlich den dicken Wälzer anlesen, der uns schon so lange aus dem Bücherregal entgegenlacht. Die Frage ist nur, wie lange wir es nun schaffen, auf unsere innere Stimme zu hören …

Bin ich nun schlauer? Vermutlich ja, aber nicht wesentlich, denn irgendwo hat man dann doch schon so vieles gehört. Aber darum geht es auch nicht. Das Rad muss schließlich nicht neu erfunden werden. Heute hatte ich die Chance, gemeinsam mit 14 interessierten durchschnittsgestressen Teilnehmern, Wissen aufzupolieren, zu erweitern und vor allem in leicht verdaulichen Häppchen aufzusaugen. Manchmal ist es genau das, was fehlt: Der nötige Anstoß! Auch wenn wir nach wie vor auf DAS PATENTREZEPT warten, ohne unser eigenes Zutun werden wir den ungesunden Stress in unserem Leben nicht bekämpfen.

Eines habe ich in jedem Falle gelernt: Stress hat viele Gesichter. Mal positiv, mal negativ, begegnet uns Stress permanent. Mit dem erlernten Bewusstsein habe ich nun die Zügel in der Hand und bin nicht mehr stressbestimmt. Das ist ein gutes Gefühl. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, diese Erfahrung weiterzugeben und dem Thema einen ganz eigenen Auftritt zu widmen. Ob das nun zu meinen ausgleichenden Vorhaben der Stressbewältigung zählt, bleibt der Phantasie des Einzelnen überlassen.

Ich für meinen Teil bin schon gespannt, welche Erkenntnisse das nächste Seminar der UnternehmerAkademie mit sich bringt …