Huch, schon liegt mehr als die Hälfte meiner Ausbildungszeit hinter mir! Dafür war natürlich die Zwischenprüfung fällig. Am 26. September musste ich mich mit tausenden anderen kaufmännischen Auszubildenden prüfen lassen.
Lernen am Strand?
Schon im Sommer hatten wir einen dicken Stapel Blätter zur Prüfungsvorbereitung von unserer Ausbildungsabteilung erhalten. Dort wurde uns gezeigt, wie die Aufgaben gestellt werden und worauf wir achten müssen. Damit hatten wir erst mal genug Material zum Üben.
Das taten wir natürlich auch alle fleißig. Ich hatte jedoch erst einmal zwei wohlverdiente Wochen Urlaub. Meine Prüfungsunterlagen habe ich trotzdem mitgenommen. Ich dachte, wenn ich ausgeruht am Strand liege, kann ich dort auch mal reingucken. Pustekuchen! Das ließ ich dann natürlich doch bleiben.
Aber da es zwischendurch drei Tage regnete, habe ich doch mal reingelesen, um zu sehen, was von mir verlangt wird. Eine ganze Menge! Alles rund um das Bankwesen und noch einige Fragen zum Allgemeinwissen.
Wissen Sie die Antwort?
Hier zum Beispiel eine Frage aus unseren Prüfungsaufgaben: Welche der folgenden Maßnahmen schlagen Sie vor, um den betrieblichen Energieverbrauch zu senken?
- Verwendung von Produkten mit Umweltschutzsiegel
- Anbringen von computergesteuerten Thermostaten zur Regelung der Raumtemperatur in allen Räumen
- Spendensammlung zugunsten von Umweltschutzorganisationen auf der Weihnachtsfeier
- Umstellung von Mehrweg- auf Einwegflaschen im Kantinenbereich
- Verwendung von kostengünstigen Papiersorten
Mir schien Lösung 2 am plausibelsten. Und welche Maßnahme würden Sie vorschlagen? Die richtige Antwort verrate ich Ihnen am Ende dieses Beitrags.
Bitte, lieber Lehrer!
Da wir einige Fragen noch gar nicht in der Schule behandelt hatten, haben wir natürlich auch dort nachgefragt, ob die Lehrer uns weiterhelfen können. Leider sind wir anfangs auf ein wenig Ablehnung gestoßen, da die Zwischenprüfung in der Schule nicht gewertet wird.
Aber mit viel Charme und Überredungskunst konnten wir unsere Lehrerin für Rechnungswesen und unseren Lehrer für Wirtschaft überreden, ein paar Aufgaben mit uns durchzugehen.
Sie hatten dann doch Verständnis, dass die Zwischenprüfung für uns schon wichtig ist, da sie uns ja auf unsere Abschlussprüfung vorbereiten soll und das Ergebnis natürlich Aufschluss über die fachliche Entwicklung der Azubis gibt. Auf Seiten des Unternehmens, also bei der Berliner Volksbank, zählt die Zwischenprüfung sehr wohl.
Der große Tag

Kühlen Kopf bewahren oder kirre werden?
Man konnte das Gebäude gar nicht verfehlen. Schon in der Bahn waren deutlich mehr Leute in meinem Alter unterwegs als sonst. Als ich dann am Messegelände ausgestiegen bin, war der Bahnhof schon rappelvoll. Denn nicht nur wir als angehende Bankkaufleute, sondern auch die Veranstaltungs-, Industrie- und Immobilienkaufleute saßen mit mir im ICC-Messegelände in der Prüfung.
Ich bin sehr froh, dass ich keine Prüfungsangst habe. Wenn ich sehe, wie manche Leute deswegen unter Stress standen, fällt mir jedes Mal ein Stein vom Herzen. Die Atmosphäre dort war auch eher förderlich für Nervosität. Tausende Auszubildende, die sich gegenseitig ein letztes Mal abfragen, die Formeln durchgehen und irgendwelche Merksätze vor sich hin brabbeln … da kann man ja nur kirre werden! Daher war ich eigentlich sehr erleichtert, als es endlich losging. Da war dann wenigstens Ruhe.
Es war wie beim Abitur. Ich saß in einem riesigen Saal mit vielen Einzeltischen. Es gab einzelne Bereiche, in denen die verschiedenen Ausbildungsberufe saßen, und jeder Bereich hatte mehrere Aufseher, die kontrolliert haben, dass keiner abguckt oder schummelt.
Klack, klack, klack …
Alle waren äußerst konzentriert und ich saß grade an der vierten Aufgabe, als das klackern anfing. Eine Prüfungsteilnehmerin hatte hochhakige Schuhe an und lief damit durch den ganzen, mit Parkett ausgelegten Saal, um auf die Toilette zu gehen. Meine Konzentration war futsch. Ich konnte nur auf das regelmäßige klack-klack-klack achten. Das hat mich fast wahnsinnig gemacht.
Ich ließ also meinen Stift fallen und wartete ab, bis sie wieder an ihrem Platz war und ich weiterschreiben konnte. Zum Glück hatten wir genug Zeit.
Geliebtes Rechnungswesen
Wir hatten zwei Stunden Zeit für 54 Aufgaben. Insgesamt gab es 100 Punkte. Ich kam relativ gut durch, nur mein kleines Problemchen Rechnungswesen machte mir zu schaffen. Wie sich im Nachhinein herausstellte, habe ich mir aber in diesem Fall zu viele Sorgen gemacht.
Fünf Wochen später kamen die Ergebnisse. Der IHK-Durchschnitt aller teilgenommenen Banken beträgt 67 Punkte und ich liege mit meinen 75 Punkten zum Glück über dem Durchschnitt. Das Ergebnis ist in Ordnung für mich, aber für die Abschlussprüfung ist es noch ausbaufähig.
Heute kam dann auch noch ein Brief von meiner Ausbildungsabteilung mit dem Inhalt, dass sie mit meinem Ergebnis zufrieden sind. Das hört sich doch gut an. Wieder ein Schritt in der Ausbildung geschafft!
Zum Schluss noch die Lösung meiner „Quizfrage“: Die richtige Antwort ist Nr. 2.
Alle Beiträge dieser Serie
- Endspurt mit Abkürzung (15. Februar 2013)
- Halbzeit ist Zwischenprüfungszeit (6. Dezember 2012)
- Die unsichtbaren Kollegen (3. September 2012)
- Was bewegt die Jugend? - Zwei Azubis wollen´s wissen (9. Juli 2012)
- Hinter den Kulissen: Azubis im Schließfach (22. Juni 2012)
- Als Azubi-Azubi bei der Berliner Volksbank (16. Mai 2012)
- Zurück zur Schule (29. März 2012)
- Und jetzt komme ich! (24. Januar 2012)